A1 gewinnt dramatisches Match in Nöttingen

Nach der Absetzung des Spiels gegen Ettlingen am vergangenen Wochenende und dem folgenden Trainingsverbot wegen eines letzten Endes negativ getesteten Corona-Verdachtsfalls in der Mannschaft musste die A1 ausgerechnet beim Tabellenführer, den 2003ern des FC Nöttingen, zum Kaltstart antreten. Weil dem Erfolgstrainerduo Becker/Reich lediglich elf Feldspieler und zwei Tormänner zur Verfügung standen, durften auch ein Spieler der A2 sowie ein A1-Vorruheständler die Reise zum Härter-Sportpark antreten.

Da das Lazarett aktuell ausschließlich langzeitverletzte Defensivakteure beherbergt, musste eine improvisierte Viererkette aufs Feld. Folglich suchten die Grünweißen ihr Heil von Beginn an in der Offensive – und sorgten früh für den ersten Paukenschlag.

Nach technisch feiner Kurzpasskombination kam der erneut bärenstarke Sechser an den Ball, ließ auf seinem unwiderstehlichen Lauf Richtung Tor mehrere Kontrahenten aussteigen, passte an der Strafraumgrenze nach rechts vorne, erhielt den Ball, mittlerweile in die Box durchgelaufen, umgehend zurück und vollstreckte abgebrüht zur Führung. Offenbar ein Wirkungstreffer für das Heimteam, das ohnehin noch nicht recht ins Match gefunden hatte – die Gäste konnten in den nächsten Minuten fast nach Belieben agieren. Nach einer scharfen Hereingabe von rechts besann sich keine drei Minuten später der Beiertheimer Kapitän seiner länger nicht demonstrierten Kopfballstärke und erhöhte unhaltbar unter die Latte zum 0:2. In der 14. Spielminute dann das 0:3 – der Sechser des SVK zeigte nach seinen spielerischen Qualitäten auch seine überragende Schusstechnik und jagte einen Ball aus knapp 20 Metern ansatzlos unter die Latte.

Mitte der ersten Halbzeit hatten sich die Gastgeber dann etwas berappelt und offenbarten die eine oder andere Schwäche in der Beiertheimer Defensivformation, die einzige richtig gute Chance zum Anschlusstreffer verschuldete das Auswärtsteam aber selbst. Ein zu kurz geratener Rückpass brachte unseren Keeper in große Verlegenheit, der schnelle rechte Offensivmann des FCN war einen Tick früher am Ball und wurde am Fuß touchiert – der Schiri zeigte zu Recht auf den Punkt. Mit dem zwar platziert direkt neben den Pfosten, aber nicht sonderlich hart ausgeführten Strafstoß war unser Schlussmann aber nicht zu überwinden. Danach zog der Unparteiische mit einer fehlerhaften Abseitsentscheidung den Unmut des gewohnt ebenso adrenalingeladenen wie fachkundigen Beiertheimer Anhangs auf sich, auf den Zehner war zentral herrlich durchgesteckt worden. Auch als dieser in der nächsten Offensivszene den Kollegen im Sturmzentrum bediente, ertönte die Pfeife des Schiedsrichters, erneut eine knifflige Entscheidung. Vor der Pause hätte der SVK dennoch erhöhen können, ließ die Kaltschnäuzigkeit der Anfangsviertelstunde nun aber vermissen. Ganz bitter wurde es dann unmittelbar vor dem Pausenpfiff; der immer stärker aufspielende Offensivstratege der Gäste wurde, auf der linken Seite in den Strafraum eingedrungen, sehr unsanft von den Beinen geholt. Schlimmer als der ausbleibende Pfiff dürfte hier der nächste wohl längerfristige Ausfall wiegen.

Der Verlust des Mittelfeldmotors war das eine, dass der knappe Kader keinen positionsgetreuen Wechsel zuließ und unser Backup für hinten rechts fast auf den Tag genau ein Jahr nach seinem bislang letzten Wettkampfeinsatz nun tatsächlich aufs Feld musste, das andere. Die Comeback-Qualitäten der Männer in Orange sind in der Liga wohlbekannt, folglich waren die Becker-Schützlinge darauf eingeschworen worden, in den ersten zehn Minuten nach Wiederanpfiff möglichst nichts zuzulassen. Nöttingen aber zeigte nun ein anderes Gesicht, kam furios aus der Kabine. Beiertheim stand von Beginn an unter großem Druck – und machte Fehler. Nach einem Angriff des Gegners über dessen starke linke Seite behinderten sich die Innenverteidiger gegenseitig, bekamen trotz mehrfacher Gelegenheit zur Rettungstat den Ball nicht aus dem Strafraum heraus, schließlich musste der Stürmer der Nöttinger den Abpraller nur zum 1:3 ins Tor schieben. Wenig später konnte der starke, extrem offensiv ausgerichtete Linksverteidiger einen Stellungsfehler der Abwehrreihe nutzen, alleine in den Strafraum eindringen und den Anschlusstreffer erzielen. Jetzt brannte es lichterloh in der Hälfte der Grünweißen, und es waren gerade mal acht Minuten des zweiten Durchgangs absolviert. Der FCN zeigte nun all das, was er in der ersten Halbzeit hatte vermissen lassen, der SVK verteidigte verzweifelt mit allem, was er hatte. Nach sage und schreibe 69 Minuten, mitten in der stärksten Phase der Hausherren, kamen die Beiertheimer in der zweiten Hälfte erstmals in die Nähe des gegnerischen Strafraums. Halb links tauchte plötzlich der Sechser auf und zielte aus eigentlich zu spitzem Winkel aus der Distanz auf den langen Pfosten. Der Keeper wähnte den Ball wohl auf dem Weg ins Toraus, dessen Flugbahn aber krümmte sich immer weiter Richtung Tor, und schließlich landete er tatsächlich direkt neben dem Pfosten im Netz. Was für ein Befreiungsschlag! Doch die Freude währte nur kurz. Die Remchinger blieben am Drücker und tauchten vier Minuten später schon wieder an der Strafraumkante auf. Der Abschlussversuch war eigentlich bereits verunglückt, die resultierende Bogenlampe sollte leichte Beute unseres Keepers sein. Der aber konnte den Ball nicht festhalten, ein Nöttinger Angreifer reagierte am schnellsten und schob ins leere Tor ein. In den verbleibenden regulär noch siebzehn Minuten lieferten sich die Kontrahenten einen erbitterten Kampf um jeden Zentimeter Boden. Dabei gingen beide Teams über ihre Grenzen, immer wieder lagen Akteure von Krämpfen geplagt am Boden. Mehrfach mussten die Beiertheimer in großer Not ins Toraus klären, die resultierenden Eckbälle waren allesamt brandgefährlich.

Schließlich gab der in der zweiten Halbzeit fehlerfreie Schiri noch eine vierminütige Zugabe, während der den Auswärtsfans gleich zweimal das Herz in die Hose rutschte. Zunächst köpfte nach undurchsichtigem Getümmel vor dem Tor unser schneller Rechtsaußen einen Ball von der Linie; wie der möglicherweise kleinste Spieler auf dem Feld bis knapp unter die Latte springen kann, bleibt sein Geheimnis. Unmittelbar vor Schluss kam dann Nöttingen noch einmal aus kurzer Distanz zum Abschluss, unser Keeper durfte seinen Fehler wiedergutmachen und klärte reaktionsschnell zur Seite. Aus dem resultierenden Einwurf konnten die Angreifer kein Kapital mehr schlagen, nach dem nächsten ins Aus geklärten Ball war Schluss!

Nach großem Kampf behalten die Männer von der Alb in einem hochklassigen Match auch beim Tabellenführer die Oberhand und entführen alle drei Punkte aus dem Härter-Sportpark. Die Partie hätte aufgrund der Spielanteile selbstverständlich auch remis enden können, letzten Endes war die Hypothek aus der Anfangsviertelstunde gegen extrem willensstarke, aufopferungsvoll kämpfende Gäste aber zu groß. Für die geht es bereits am Mittwoch weiter, beim FC Südstern steht der Titelverteidiger im Achtelfinale des Kreispokals.

-jba-

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